Arten von Aktien

ca. 7 Min. LesezeitZuletzt inhaltlich geprüft: August 2026

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Aktie“ ist nicht gleich „Aktie“: Je nachdem, welche Rechte damit verbunden sind und wie ein Unternehmen oder eine Aktie am Markt eingeordnet wird, gibt es ganz unterschiedliche Kategorien. Dieser Artikel sortiert die wichtigsten Klassifizierungen – nach Stimmrecht, Übertragungsform, Unternehmensgröße, Anlagestil, Ausschüttungsverhalten sowie Region und Branche – und ordnet ein, worauf du bei besonders spekulativen Aktien achten solltest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stammaktien geben ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung, Vorzugsaktien verzichten meist darauf – dafür erhalten Vorzugsaktionär:innen typischerweise eine bevorzugte oder höhere Dividende.
  • Namensaktien sind auf eine bestimmte Person eingetragen, Inhaberaktien nicht – für Privatanleger:innen im Depot spielt dieser Unterschied im Alltag kaum eine Rolle.
  • Aktien lassen sich außerdem nach Unternehmensgröße (Large-, Mid-, Small-Cap), Anlagestil (Value- oder Growth-Aktie), Ausschüttungsverhalten (Dividendentitel) sowie Region und Branche einordnen – mehrere Klassifizierungen gelten für dieselbe Aktie gleichzeitig.
  • „Penny Stocks“ – Aktien mit sehr niedrigem Kurs und meist geringer Marktkapitalisierung – gelten als besonders riskant und verdienen eine eigene Warnung.

Stammaktien und Vorzugsaktien: der Unterschied liegt beim Stimmrecht

Grundsätzlich gewährt jede Aktie ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Unternehmens (§ 12 Aktiengesetz). Ein Unternehmen kann aber zusätzlich sogenannte Vorzugsaktien ausgeben, die auf dieses Stimmrecht verzichten – als Ausgleich muss das Unternehmen den Vorzugsaktionär:innen dafür einen Gewinnvorzug einräumen, etwa eine Vorab- oder erhöhte Dividende (§§ 139–141 Aktiengesetz). Stimmrechtslose Vorzugsaktien dürfen dabei höchstens die Hälfte des Grundkapitals eines Unternehmens ausmachen. Wichtig zur Einordnung: Das Stimmrecht entfällt nicht dauerhaft – bleibt der Gewinnvorzug aus, lebt es nach dem Gesetz wieder auf, solange der Vorzug nicht vollständig gezahlt ist (§ 140 Absatz 2 Aktiengesetz).

Stammaktie und Vorzugsaktie im Vergleich (vereinfachte Gegenüberstellung, keine Empfehlung)
MerkmalStammaktieVorzugsaktie
Stimmrecht auf der HauptversammlungJaIn aller Regel nein
DividendeReguläre Gewinnbeteiligung, sofern beschlossenMeist bevorzugt oder erhöht gegenüber Stammaktien desselben Unternehmens
Verbreitung am deutschen MarktHäufigste FormDeutlich seltener, aber bei einigen bekannten Unternehmen die gehandelte Hauptaktie

Manche Unternehmen handeln beide Aktienarten gleichzeitig an der Börse – dann unterscheiden sich Stamm- und Vorzugsaktie desselben Unternehmens auch im Kurs, weil der Markt Stimmrecht und Dividendenvorzug unterschiedlich bewertet. Welche der beiden Varianten „besser“ ist, lässt sich nicht allgemein sagen: Wer als Privatanleger:in ohnehin keinen nennenswerten Einfluss über eine einzelne Stimme ausüben kann, gewichtet den Dividendenvorzug einer Vorzugsaktie womöglich höher als das Stimmrecht einer Stammaktie – das ist eine persönliche Abwägung, keine allgemeingültige Regel.

Namensaktien und Inhaberaktien: wer als Aktionär eingetragen ist

Eine zweite, unabhängige Unterscheidung betrifft die Übertragungsform: Namensaktien sind mit dem Namen ihrer Inhaberin oder ihres Inhabers im Aktienregister des Unternehmens eingetragen, Inhaberaktien nicht. Nach dem Gesetz sind Aktien deutscher Aktiengesellschaften grundsätzlich Namensaktien; als Inhaberaktien dürfen sie nur unter zusätzlichen Voraussetzungen ausgegeben werden – etwa wenn die Gesellschaft börsennotiert ist oder die Aktien in einer bei einem zugelassenen Verwahrer hinterlegten Sammelurkunde verbrieft sind (§ 10 Absatz 1 Aktiengesetz). Für dich als Privatanleger:in im Depot macht dieser Unterschied im Alltag praktisch keinen Unterschied: Die Verwaltung läuft in beiden Fällen über dein Depot, und Stimmrecht sowie Dividendenanspruch bleiben davon unberührt.

Klassifizierung nach Unternehmensgröße: Large-, Mid- und Small-Cap

Eine weitere, von der Aktienart unabhängige Klassifizierung betrifft die Größe des Unternehmens, gemessen an seiner Marktkapitalisierung – dem Börsenwert aus Aktienanzahl mal Aktienkurs:

  1. Large-Cap: Aktien besonders großer, etablierter Unternehmen. Solche Unternehmen werden umgangssprachlich häufig auch als „Blue Chips“ bezeichnet.
  2. Mid-Cap: Aktien mittelgroßer Unternehmen, oft mit spürbar höherem Wachstumstempo als etablierte Großunternehmen, aber auch mit weniger langer Marktgeschichte.
  3. Small-Cap: Aktien kleinerer Unternehmen, häufig mit höherem Wachstumspotenzial, aber auch höheren Schwankungen und geringerer Liquidität (weniger tägliches Handelsvolumen).

Feste Grenzwerte, ab welcher Marktkapitalisierung ein Unternehmen als Large-, Mid- oder Small-Cap gilt, legt keine einheitliche gesetzliche Regel fest – Indexanbieter und Marktbeobachter verwenden dafür unterschiedliche Schwellen.

Large-Cap und Small-Cap im Vergleich: Chancen und Risiken (grundsätzliche Gegenüberstellung, keine Empfehlung)
ChancenRisiken
Large-Cap-Aktien gelten oft als etablierter und schwanken im Schnitt tendenziell weniger starkLarge-Cap-Aktien haben oft weniger Spielraum für sehr hohes prozentuales Wachstum
Small-Cap-Aktien bieten oft höheres WachstumspotenzialSmall-Cap-Aktien schwanken oft stärker und sind teils weniger liquide handelbar

Klassifizierung nach Anlagestil: Value- und Growth-Aktien

Unabhängig von der Unternehmensgröße lassen sich Aktien auch nach dem zugrunde liegenden Anlagestil einordnen. Eine Value-Aktie gehört zu einem Unternehmen, das im Vergleich zu Kennzahlen wie Gewinn oder Buchwert eher niedrig bewertet ist – oft, weil der Markt dem Unternehmen wenig zusätzliches Wachstum zutraut oder das Unternehmen aus der Mode gekommen ist. Eine Growth-Aktie gehört dagegen zu einem Unternehmen, dem der Markt besonders hohes künftiges Wachstum zutraut – solche Aktien sind dafür meist vergleichsweise hoch bewertet. Wie du Bewertung überhaupt einschätzt und welche Kennzahlen dabei helfen, vertiefen die Artikel Aktien und ETFs beurteilen und Kennzahlen für Anfänger.

Klassifizierung nach Ausschüttung: Dividendentitel

Aktien lassen sich außerdem danach einordnen, wie regelmäßig und wie stark ein Unternehmen Dividenden ausschüttet. Unternehmen, die traditionell regelmäßig und in einer für die Branche vergleichsweise hohen Dividendenrendite ausschütten, werden oft als Dividendentitel bezeichnet. Was eine Dividende überhaupt ist und wie sie zustande kommt, erklärt ausführlich der Artikel Dividenden verstehen – wichtig zur Einordnung: Eine hohe Dividendenrendite allein sagt noch nichts über die Qualität eines Unternehmens aus, mehr dazu ebenfalls im Artikel Kennzahlen für Anfänger.

Klassifizierung nach Region und Branche

Schließlich lassen sich Aktien – wie Indizes und ETFs auch – nach der Region einordnen, in der ein Unternehmen seinen Sitz hat oder überwiegend Geschäfte macht, und nach der Branche, in der es tätig ist (etwa Technologie, Gesundheit, Industrie oder Konsumgüter). Beide Einordnungen spielen eine wichtige Rolle für die Streuung eines Depots: Wer viele Aktien derselben Region oder Branche hält, streut sein Geld weniger breit, als die Anzahl der gehaltenen Positionen zunächst vermuten lässt – mehr dazu im Artikel Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.

Vorsicht bei Penny Stocks

Als „Penny Stocks“ werden umgangssprachlich Aktien mit sehr niedrigem Kurs bezeichnet, oft von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung und geringem Handelsvolumen. Ein niedriger Kurs allein sagt nichts über die Qualität eines Unternehmens aus – ein Kurs von wenigen Cent kann ebenso gut zustande kommen, weil ein Unternehmen tatsächlich sehr klein ist, wie weil eine früher deutlich höher bewertete Aktie stark an Wert verloren hat.

Achtung

Penny Stocks gelten als besonders riskant: Die geringe Marktkapitalisierung und das oft geringe Handelsvolumen machen Kurse anfälliger für starke Schwankungen und erschweren teilweise den schnellen Verkauf zu einem fairen Preis. Solche Aktien werden zudem häufiger Ziel von Kursmanipulationsversuchen über Social Media oder Foren. Für Einsteiger:innen ohne vertiefte Erfahrung sind Penny Stocks in aller Regel keine geeignete erste Wahl.

Merksatz

Eine einzelne Aktie lässt sich gleichzeitig mehrfach einordnen – etwa als Stammaktie, Large-Cap, Growth-Aktie einer bestimmten Branche. Die Klassifizierungen sind unabhängige Betrachtungsebenen, keine Rangfolge. Besonders niedrig bewertete Aktien mit geringer Marktkapitalisierung (Penny Stocks) verdienen dabei eine eigene, ausdrückliche Vorsicht.

Was du jetzt tun kannst

Wie du systematisch beurteilst, ob eine Aktie überhaupt zu deiner Strategie passt, ordnet der Artikel Aktien und ETFs beurteilen ein. Welche Risiken für Aktien grundsätzlich bestehen – unabhängig von der jeweiligen Klassifizierung –, fasst Risiken von Aktien und ETFs zusammen. Und wie du dein Geld über verschiedene Aktienarten, Branchen und Regionen streust, erklärt Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.

Quellen

Risiko

Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.

Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.

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Über die Autorin/den Autor

Matthias Lamprecht

Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.

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