Verhalten im Crash

ca. 5 Min. LesezeitZuletzt inhaltlich geprüft: August 2026

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Die Kurse fallen deutlich – 20, 30 Prozent oder mehr binnen kurzer Zeit. Was jetzt? Dieser Artikel bereitet dich bewusst vor einer solchen Situation vor, damit du im Ernstfall nicht zum ersten Mal darüber nachdenkst. Er baut auf dem hypothetischen Gedankenexperiment aus dem Artikel Risikotoleranz: Welcher Anlegertyp bin ich? auf – hier geht es um die konkreten Handlungsoptionen danach.

Crashs sind ein wiederkehrender Bestandteil der Börsengeschichte

Deutliche Kurseinbrüche binnen kurzer Zeit sind an den Aktienmärkten immer wieder vorgekommen. Wie lange es danach jeweils gedauert hat, bis frühere Kursniveaus wieder erreicht wurden, war sehr unterschiedlich – und es gab auch mehrjährige Verlustphasen. Aus vergangenen Entwicklungen lässt sich kein verlässlicher Rückschluss auf künftige Ergebnisse ziehen. Die Finanzaufsicht BaFin weist ausdrücklich darauf hin: Die Investition in Aktien „erfordert Ihre Bereitschaft und Fähigkeit, höhere Risiken zu tragen, falls der Aktienwert vorübergehend oder dauerhaft sinkt“ (Quelle: BaFin, siehe Quellenliste). Wann der nächste deutliche Einbruch kommt und wie stark er ausfällt, lässt sich nicht vorhersagen – dass es ihn irgendwann wieder geben wird, gehört zum Wesen schwankender Märkte.

Buchverlust ist noch kein realisierter Verlust

Ein zentraler Unterschied entscheidet oft darüber, ob ein Kurseinbruch am Ende ein echter Verlust wird: Solange du eine Position nicht verkauft hast, ist ein gesunkener Depotwert ein Buchverlust – ein Wert auf dem Papier, der sich noch verändern kann. Erst der tatsächliche Verkauf macht daraus einen realisierten Verlust, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Genau deshalb kann Verkaufen ausgerechnet im Tief doppelt nachteilig wirken: Du machst aus einem vorübergehenden Buchverlust einen endgültigen Verlust – und verpasst zugleich eine mögliche spätere Erholung, weil du zu diesem Zeitpunkt nicht mehr investiert bist. Ob ein Kursstand tatsächlich ein Tiefpunkt war, lässt sich allerdings erst im Rückblick sagen.

Handlungsoptionen nüchtern betrachtet

Wenn die Kurse deutlich fallen, stehen dir grundsätzlich mehrere Optionen offen – nüchtern betrachtet, ohne Zuruf in eine bestimmte Richtung:

  • Nichts tun: Die am Anfang gewählte Strategie unverändert weiterlaufen lassen. Das ist oft die unspektakulärste, aber am schwersten durchzuhaltende Option.
  • Sparplan weiterlaufen lassen: Ein laufender Sparplan kauft bei gefallenen Kursen automatisch mehr Anteile für denselben Betrag – eine Fortsetzung der ursprünglichen Strategie, keine Reaktion auf die Marktlage.
  • Rebalancing: Ist die Aufteilung deines Depots durch den Kursrückgang spürbar verschoben, kann ein geplantes Rebalancing angemessen sein – als Umsetzung einer vorher festgelegten Regel, nicht als spontane Reaktion auf die Marktlage.

Bewusst nicht in dieser Liste: ein pauschaler Zuruf, in fallenden Märkten zusätzliches Geld „nachzuschießen“. Ob und wie viel zusätzliches Geld du investierst, bleibt eine individuelle Entscheidung, die von deiner persönlichen finanziellen Situation abhängt – keine allgemeine Empfehlung dieser Website.

Wann Verkaufen dennoch richtig sein kann

Es gibt legitime Gründe, in einer solchen Phase tatsächlich zu verkaufen – sie sollten sich aber aus deinen Lebensumständen ergeben, nicht aus der Marktlage selbst: Wenn sich zum Beispiel dein Anlageziel oder dein Zeithorizont grundlegend geändert hat, wenn du das Geld entgegen der ursprünglichen Planung nun kurzfristig benötigst, oder wenn eine ehrliche Neubewertung zeigt, dass deine Risikotoleranz von Anfang an überschätzt war. Der Unterschied ist entscheidend: „Ich brauche das Geld jetzt“ oder „Meine Situation hat sich geändert“ sind andere Gründe als „Die Kurse fallen weiter“.

Vorbereitung: ein schriftlicher Krisenplan

Der wirksamste Zeitpunkt, über dein Verhalten im Crash nachzudenken, ist vor dem Crash – wenn du noch nicht unter emotionalem Druck stehst. Ein kurzer, schriftlicher Krisenplan kann festhalten: Was ist deine Strategie? Welchen Anlagehorizont hast du? Was tust du bei einem Kursrückgang von 20, 30 oder mehr Prozent – und was tust du ausdrücklich nicht? Ein solcher Plan ersetzt keine individuelle Beratung, hilft aber, im Ernstfall auf die eigene, in Ruhe getroffene Entscheidung zurückzugreifen statt auf eine Reaktion im emotionalen Moment.

Handeln im Crash: Chancen und Risiken (grundsätzliche Gegenüberstellung, keine Empfehlung)
ChancenRisiken
Ruhig bleiben und die Strategie fortsetzen vermeidet, einen Buchverlust unnötig zu realisierenEin Kursrückgang kann sich vertiefen oder länger anhalten, als du emotional erwartet hast
Ein vorbereiteter Krisenplan erleichtert überlegte statt panische EntscheidungenAuch ein guter Plan ersetzt keine individuelle Beratung und keine Garantie für einen bestimmten Ausgang

Merksatz

Deutliche Kurseinbrüche gehören zur Geschichte der Aktienmärkte. Solange du nicht verkaufst, bleibt ein Kursrückgang ein Buchverlust – verkaufst du in einer solchen Phase, wird daraus ein endgültiger Verlust, und eine mögliche spätere Erholung findet ohne dich statt. Ein vorher schriftlich festgelegter Krisenplan hilft, im Ernstfall überlegt statt panisch zu handeln.

Was du jetzt tun kannst

Warum die langfristige Strategie „kaufen und halten“ gerade solche Phasen bewusst mit einplant, vertieft der Artikel Buy and Hold: langfristig anlegen. Eine vollständige Übersicht aller Risikoarten – nicht nur des Kursrisikos – bietet Risiken von Aktien und ETFs.

Quellen

  • BaFin: Aktien – Abgerufen: August 2026.

Risiko

Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.

Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.

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Über die Autorin/den Autor

Matthias Lamprecht

Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.

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