Wie viele Positionen?

ca. 4 Min. LesezeitZuletzt inhaltlich geprüft: August 2026

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„Wie viele verschiedene Aktien oder ETFs brauche ich eigentlich?“ Auf diese Frage gibt es keine magische Zahl – aber praktikable Denkmodelle, die dir bei der Einordnung helfen. Dieser Artikel setzt voraus, dass du das Grundprinzip der Streuung schon kennst; falls nicht, lies zuerst Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.

Bei ETFs: oft reichen schon wenige breite Fonds

Ein einzelner, breit gestreuter ETF auf einen weltweiten Aktienindex deckt – wie der Artikel zur Diversifikation erklärt – die Streuung über Unternehmen, Branchen und Regionen bereits weitgehend ab. Wer zusätzlich noch etwas gezielter gewichten möchte, etwa mit einem zweiten oder dritten ETF für einen bestimmten Weltregion-Schwerpunkt, kann das tun – rein aus Streuungssicht ist das aber oft schon eine Ergänzung, keine Notwendigkeit. Für die reine Risikominderung durch Streuung gilt bei ETFs deshalb: Die Anzahl allein sagt wenig aus – die tatsächliche Zusammensetzung entscheidet.

Das Überschneidungsproblem: mehr ETFs sind nicht automatisch mehr Streuung

Wer mehrere ETFs hält, sollte prüfen, wie stark sich deren enthaltene Unternehmen überschneiden. Ein ETF auf einen breiten Weltindex und ein zweiter ETF auf einen bestimmten Industrieländer-Index können beispielsweise viele identische große Unternehmen enthalten – die zusätzliche Position bringt dann weniger zusätzliche Streuung, als die reine Positionszahl suggeriert. Wie diese sogenannte Schein-Diversifikation im Detail entsteht, erklärt der Artikel Diversifikation: nicht alles auf eine Karte bereits ausführlich. Bevor du einen weiteren ETF hinzufügst, lohnt sich deshalb der Blick in die veröffentlichten Zusammensetzungen: Wie stark unterscheiden sich die enthaltenen Unternehmen tatsächlich?

Bei Einzelaktien: Faustregeln statt Wissenschaft

Für Einzelaktien-Depots kursieren verschiedene Faustregeln zur „ausreichenden“ Anzahl an Positionen. Das sind Faustregeln, keine wissenschaftlich einheitlich belegten Werte: Je nachdem, wie stark sich die gehaltenen Unternehmen in Branche und Region tatsächlich unterscheiden, kann eine ähnliche Streuungswirkung mit weniger oder erst mit deutlich mehr Positionen erreicht werden. Entscheidend ist wieder weniger die reine Anzahl als die tatsächliche Unterschiedlichkeit der gehaltenen Unternehmen.

Das Verwaltbarkeits-Argument

Neben der reinen Risikofrage spricht ein weiterer, oft unterschätzter Punkt gegen sehr viele Einzelpositionen: der laufende Überblick. Jede zusätzliche Einzelaktie bedeutet zusätzlichen Beobachtungsaufwand – mehr dazu im Artikel Einzelaktien oder ETFs für Anfänger? – und macht ein späteres Rebalancing (das gelegentliche Wiederherstellen der geplanten Gewichtung) aufwendiger, weil mehr Einzelpositionen einzeln geprüft und angepasst werden müssen. Wie Rebalancing praktisch funktioniert, erklärt der Artikel Rebalancing.

Mehr Positionen bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit

Die zentrale Botschaft dieses Artikels lässt sich so zusammenfassen: Eine hohe Positionszahl allein ist kein Sicherheitsmerkmal. Ein Depot mit drei sehr ähnlichen Technologie-ETFs ist trotz drei Positionen kaum breiter gestreut als ein Depot mit einem einzigen breiten Welt-ETF. Umgekehrt kann ein einziger, wirklich breit gestreuter ETF bereits eine solide Streuung bieten, während zehn Einzelaktien aus derselben Branche kaum Streuungsvorteil gegenüber einer einzigen Aktie dieser Branche bringen.

Wenige vs. viele Positionen: Chancen und Risiken (grundsätzliche Gegenüberstellung, keine Empfehlung)
ChancenRisiken
Wenige, breit gestreute Positionen: geringer Verwaltungsaufwand, leichter ÜberblickBei zu wenigen, eng gefassten Positionen bleibt echtes Klumpenrisiko bestehen
Viele, tatsächlich unterschiedliche Positionen können Streuung feiner steuernViele ähnliche Positionen erzeugen Schein-Diversifikation und zusätzlichen Aufwand ohne echten Streuungsgewinn

Merksatz

Wie viele Positionen sinnvoll sind, lässt sich nicht mit einer festen Zahl beantworten – entscheidend ist, wie unterschiedlich sich die gehaltenen Positionen tatsächlich zueinander verhalten. Ein einziger breit gestreuter ETF kann mehr Streuung bieten als mehrere ähnliche Positionen zusammen.

Was du jetzt tun kannst

Wie du eine einmal festgelegte Aufteilung über die Zeit pflegst, wenn sich Kurse unterschiedlich entwickeln, erklärt der Artikel Rebalancing. Welche Kriterien über die reine Positionszahl hinaus für die Auswahl eines ETFs sprechen, vertieft ETF auswählen: die Kriterien.

Risiko

Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.

Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.

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Über die Autorin/den Autor

Matthias Lamprecht

Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.

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