Zinseszins verstehen
Teil des Lernpfads: Von null zum ersten Investment
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Kaum ein Effekt wird beim Investieren so oft genannt wie der Zinseszins – und kaum einer wird so oft missverstanden. Dieser Artikel erklärt, was dahintersteckt: warum aus einem anfangs eher gemütlichen Wachstum über lange Zeiträume ein deutlich stärkeres werden kann, und wo die Grenzen dieses Effekts liegen.
Das Prinzip: Erträge erzielen wieder Erträge
Bei einer einfachen Verzinsung bekommst du nur auf dein ursprünglich eingesetztes Geld einen Ertrag. Beim Zinseszinseffekt kommt ein zweiter Schritt hinzu: Bereits erzielte Erträge – zum Beispiel Zinsen, aber ebenso Kurssteigerungen oder wieder angelegte Dividenden – werden dem angelegten Betrag hinzugerechnet und erzielen im nächsten Zeitraum ihrerseits einen Ertrag. Dein Geld arbeitet damit nicht nur selbst, es lässt zusätzlich seine eigenen Erträge weiterarbeiten.
Diese Wirkungsrichtung wird oft als Argument für einen langen Anlagehorizont angeführt – als „Zeit im Markt" statt eines versuchten perfekten Timings. Das ist eine grundsätzliche Wirkungsrichtung, kein Versprechen auf einen bestimmten Wertzuwachs und kein Rat, wann genau du ein- oder aussteigen solltest. Warum der Versuch, den „richtigen" Zeitpunkt zu treffen, mit erheblichen Unsicherheiten verbunden ist, ordnet ein späterer Artikel im Strategie-Bereich dieser Website ein.
Warum aus linear schnell exponentiell wird
Der Unterschied wird erst über längere Zeiträume wirklich sichtbar. Das folgende Beispiel vergleicht zwei rein rechnerische, ausdrücklich hypothetische Verläufe: einmal ohne Zinseszinseffekt (nur das ursprüngliche Startkapital verzinst sich, die Erträge werden gedanklich jedes Jahr entnommen statt wieder angelegt), einmal mit Zinseszinseffekt (bereits erzielte Erträge verzinsen sich mit). Angenommen, du legst einmalig 1.000 Euro an und rührst das Geld nicht mehr an; als reine Modellannahme – keine Prognose – nehmen wir eine konstante Wertentwicklung von 5 % pro Jahr an:
| Zeitraum | Nur Startkapital verzinst | Mit Zinseszins |
|---|---|---|
| Nach 10 Jahren | rund 1.500 € | rund 1.630 € |
| Nach 20 Jahren | rund 2.000 € | rund 2.650 € |
| Nach 30 Jahren | rund 2.500 € | rund 4.320 € |
Beispiel (hypothetisch)
Die Tabelle oben ist ein rein hypothetisches Rechenbeispiel mit frei gewählten, runden Zahlen.
Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.
Der Unterschied zwischen beiden Spalten entsteht ausschließlich dadurch, dass in der rechten Spalte auch die bereits erzielten Erträge weiter mitverzinst werden. Über 10 Jahre fällt dieser Unterschied noch moderat aus, über 30 Jahre wird er deutlich größer.
Selbst ausprobieren: der Zinseszinsrechner
Wie stark sich Startkapital, eine zusätzliche monatliche Sparrate, eine angenommene jährliche Wertentwicklung und die Anlagedauer gegenseitig beeinflussen, kannst du direkt mit deinen eigenen – ebenfalls hypothetischen – Zahlen im Zinseszinsrechner ausprobieren. Auch dort gilt: Jede Wertentwicklung ist eine frei gewählte Annahme, keine Prognose und keine Anlageempfehlung.
Die Kehrseite: Kosten und Inflation wirken genauso
Der Zinseszinseffekt ist keine Einbahnstraße zugunsten deiner Rendite. Dieselbe mathematische Wirkung entfaltet sich auch bei laufenden Kosten und bei der Inflation: Eine auf den ersten Blick kleine jährliche Kostenquote oder eine kleine jährliche Kaufkraftminderung kann sich über Jahrzehnte ebenfalls deutlich stärker aufsummieren, als es die Zahl im ersten Jahr vermuten lässt. Wie sich eine laufende Kostenquote (TER) über die Zeit auf einen Sparplan auswirkt, kannst du im Sparplanrechner mit eigenen, ebenfalls hypothetischen Annahmen durchspielen. Wie sich Ordergebühren und andere laufende Kosten konkret auswirken, erklärt der Artikel Kosten beim Handel: Ordergebühr, Spread, TER. Was Inflation mit deinem Ersparten macht, vertieft der nächste Grundlagenartikel: Inflation und Kaufkraft.
Merksatz
Zinseszins bedeutet: Nicht nur dein eingesetztes Geld, sondern auch bereits erzielte Erträge erzielen über die Zeit weitere Erträge – deshalb wächst der Unterschied zu einer rein linearen Entwicklung mit jedem zusätzlichen Jahr.
Was du jetzt tun kannst
Warum Menschen überhaupt in Aktien und ETFs investieren – und welche Rolle der Zinseszinseffekt dabei als eines von mehreren Argumenten spielt –, ordnet der Artikel Warum Aktien und ETFs? ein. Die komplette empfohlene Reihenfolge aller Grundlagenartikel findest du im Lernpfad „Von null zum ersten Investment".
Risiko
Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.
Keine Anlageberatung
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.
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Über die Autorin/den Autor
Matthias Lamprecht
Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.