Kosten beim Handel: Ordergebühr, Spread, TER
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Ordergebühr, Spread, eine laufende Kostenquote, vielleicht eine Depotgebühr: Beim Investieren in Aktien und ETFs entstehen Kosten an mehreren Stellen gleichzeitig – manche stehen deutlich sichtbar in der Preisliste deines Brokers, andere stecken fast unsichtbar im Kurs selbst. Dieser Artikel zeigt dir systematisch, welche Kosten beim Kauf, während der Haltedauer und beim Verkauf anfallen können, wie sie zusammenhängen – und warum sich ein genauer Blick darauf über viele Jahre spürbar auszahlt.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Kauf und Verkauf können Ordergebühr (auch Orderentgelt oder Orderprovision genannt), Handelsplatzentgelt und der Spread (die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs) anfallen.
- Die Ordergebühr fällt in der Regel je Order an, nicht je Stück – als fester Betrag, als Prozentsatz vom Auftragsgegenwert (Kurs mal Stückzahl) oder als Mischung, oft mit Mindest- und Höchstbetrag.
- Der Spread ist typischerweise schmaler, wenn ein Wertpapier viel gehandelt wird, die Haupthandelszeit läuft und der Markt ruhig ist – eine Faustregel, keine Garantie.
- Während der Haltedauer fallen laufende Produktkosten (bei Fonds und ETFs die TER) und mitunter eine Depotführungsgebühr an; „kostenlos“ beworbene Angebote verschieben Kosten oft nur an eine weniger sichtbare Stelle, etwa in einen breiteren Spread.
- Schon kleine jährliche Kostenunterschiede wirken sich über Jahrzehnte stark aus – durch denselben Zinseszinseffekt, der sonst für Erträge genannt wird, nur in die andere Richtung. Kosten sind neben der Anlageentscheidung selbst der Faktor, den du am unmittelbarsten beeinflussen kannst.
Kosten im Überblick: einmalig, laufend und versteckt
Bevor es an die einzelnen Kostenarten geht, hilft eine grobe Landkarte: Manche Kosten fallen nur einmalig beim Kauf oder Verkauf an, andere laufen unabhängig davon im Hintergrund weiter, und wieder andere sind so gut versteckt, dass sie leicht übersehen werden.
| Wann? | Kostenart(en) |
|---|---|
| Einmalig, beim Kauf oder Verkauf | Ordergebühr/Provision, Handelsplatzentgelt, Spread |
| Laufend, unabhängig vom Handeln | Laufende Produktkosten (TER), ggf. Depotführungsgebühr |
| Situativ, bei Werten in Fremdwährung | Wechselkurskosten |
Ordergebühr und Handelsplatzentgelt: die Kosten der einzelnen Order
Jede Order – der Auftrag, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen – kann eine Ordergebühr auslösen: das Entgelt, das dein Broker für die Ausführung berechnet. Je nach Anbieter heißt es Ordergebühr, Orderentgelt, Orderprovision oder einfach Provision; gemeint ist in der Regel dasselbe. Wie diese Gebühr aufgebaut ist, legt jeder Broker selbst fest (mehr dazu im nächsten Abschnitt); ein Kriterienraster für den Vergleich bietet der Artikel Broker auswählen: die Kriterien.
Hinzu kommt häufig ein zweites, davon unabhängiges Entgelt: das Handelsplatzentgelt. Es wird nicht vom Broker, sondern vom gewählten Handelsplatz selbst erhoben – dafür, dass deine Order dort tatsächlich ausgeführt wird. Ob und in welcher Höhe ein Handelsplatzentgelt anfällt, hängt vom jeweiligen Handelsplatz ab; die Unterschiede zwischen Handelsplätzen erklärt der Artikel Handelsplätze verstehen und wählen.
Umgangssprachlich ist oft von „Handelsgebühren“ oder „Börsengebühren“ die Rede. In Preisverzeichnissen kann dasselbe Entgelt auch als Börsenentgelt auftauchen oder – zusammen mit anderen Kosten, die Dritte deinem Broker berechnen – als Fremdspesen. Ob dein Broker so ein Entgelt gesondert ausweist, in die Ordergebühr einrechnet oder anders behandelt, legt er selbst fest; bei Orders an ausländischen Handelsplätzen können zusätzliche Entgelte hinzukommen. Konkrete Beträge nennt dieser Artikel bewusst nicht: Sie unterscheiden sich je nach Handelsplatz und Anbieter und ändern sich im Zeitverlauf. Verlässlich sind das aktuelle Preisverzeichnis deines Brokers und die Kosteninformation, die er dir in der Regel vor dem Absenden einer Order zeigt – wie sie aussieht, erklärt der Artikel Kaufen Schritt für Schritt.
Orderentgelt pro Order oder pro Aktie?
Die kurze Antwort: In der Regel fällt das Entgelt je Order an, nicht je Stück. Bei einem festen Betrag je Order macht es für die Gebühr keinen Unterschied, ob du in einer Order 1 oder 100 Aktien kaufst. Ob ein Angebot ausnahmsweise je Stück abrechnet, steht in seinem Preisverzeichnis.
Wie sich die Gebühr je Order zusammensetzt, unterscheidet sich von Angebot zu Angebot. Als allgemeine Modellbausteine – keine Aussage über bestimmte Anbieter – kommen vor allem diese vor, einzeln oder kombiniert:
- Fester Betrag je Order: immer derselbe Betrag, egal wie hoch der Auftragsgegenwert (der Wert der Order, mehr dazu unten) ist.
- Prozentsatz vom Auftragsgegenwert: Die Gebühr wächst mit der Ordersumme – eine doppelt so große Order kostet dann doppelt so viel (ohne Mindest- oder Höchstbetrag).
- Mindest- und Höchstbetrag: Bei prozentualen Modellen gibt es häufig eine Untergrenze (auch bei sehr kleinen Orders wird mindestens dieser Betrag fällig) und manchmal eine Obergrenze (ab einer bestimmten Ordersumme steigt die Gebühr nicht weiter).
- Gestaffelte Beträge: Je nach Höhe des Auftragsgegenwerts gilt für jede Stufe ein fester Betrag.
- Zusätzliche Entgelte: Handelsplatzentgelt und weitere Kosten Dritter (siehe oben) kommen je nach Anbieter obendrauf oder sind bereits eingerechnet.
Auch die Frage, ob bei einer Order, die in mehreren Teilen ausgeführt wird (Teilausführung, siehe Orderarten: Market, Limit & Co.), das Entgelt einmal oder mehrfach anfällt, regelt jeder Anbieter selbst. Ein Blick ins Preisverzeichnis lohnt sich deshalb, bevor du eine Order aufgibst. Wie du zwei solche Modelle mit eigenen Zahlen durchrechnest, zeigt der Rechner weiter unten im Artikel.
Der Spread: die Kostenart, die leicht übersehen wird
Neben offen ausgewiesenen Gebühren gibt es eine Kostenart, die in der Regel nicht als eigene Position auftaucht, weil sie im Kurs selbst steckt: der Spread. An jedem Handelsplatz gibt es zwei Preise gleichzeitig – den Geldkurs, zu dem verkauft werden kann, und den meist etwas höheren Briefkurs, zu dem gekauft werden kann (mehr zur Kursbildung im Grundlagenartikel Börse und Kursbildung). Die Differenz zwischen beiden ist der Spread – eine Kostenart, die unabhängig von jeder Ordergebühr entsteht, allein durch die Kursspanne.
Beispiel (hypothetisch)
Ein ETF-Anteil hat gerade einen Geldkurs von 49,95 € und einen Briefkurs von 50,05 €. Kaufst du jetzt zum Briefkurs und würdest im selben Moment wieder verkaufen, bekämst du nur den Geldkurs von 49,95 € zurück. Der Spread beträgt in diesem Beispiel 0,10 €, also rund 0,2 % des Kurses – ein Betrag, der vollständig unabhängig von einer möglichen Ordergebühr entsteht.
Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.
Wie breit ein Spread ausfällt, hängt unter anderem vom gewählten Handelsplatz, von der Handelszeit und davon ab, wie viele andere Marktteilnehmer:innen gerade dasselbe Wertpapier handeln (Liquidität) – mehr zu den Handelsplätzen im Artikel Handelsplätze verstehen und wählen, mehr zu Zeit und Marktlage im nächsten Abschnitt.
Ist der Spread eine Gebühr?
Nein, jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Er wird dir in der Regel nicht als eigene Position berechnet, sondern steckt im Kurs, zu dem deine Order ausgeführt wird: Beim Kauf zahlst du tendenziell den Briefkurs, beim Verkauf bekommst du tendenziell den Geldkurs. Die Spanne wirkt sich also über Kauf und späteren Verkauf hinweg aus – und wie breit sie ist, kann sich zwischen dem Zeitpunkt des Kaufs und dem des Verkaufs unterscheiden.
Wann ist der Spread am niedrigsten?
Der Spread ist typischerweise dann am niedrigsten, wenn viele Marktteilnehmer:innen gleichzeitig dasselbe Wertpapier handeln – also bei viel gehandelten Wertpapieren, während der Haupthandelszeit und in ruhigen Marktphasen. Eine feste Uhrzeit, zu der das immer gilt, gibt es nicht; es ist eine Faustregel, keine Garantie.
Der Grund: Handeln viele Marktteilnehmer:innen gleichzeitig, liegen viele Kauf- und Verkaufsangebote nah beieinander, und die Lücke zwischen Geld- und Briefkurs bleibt klein. Mit Liquidität ist dabei gemeint, wie leicht und schnell ein Wertpapier gekauft oder verkauft werden kann, ohne dass der Kurs spürbar springt. Drei Einflussfaktoren spielen zusammen:
| Einflussfaktor | Spread tendenziell schmaler | Spread tendenziell breiter |
|---|---|---|
| Liquidität | Sehr viel gehandelte Wertpapiere, etwa Aktien großer, bekannter Unternehmen oder breit gehandelte ETFs | Wenig gehandelte Wertpapiere, etwa Aktien sehr kleiner Unternehmen oder Nischenprodukte |
| Handelszeit | Während der Haupthandelszeit – der Zeit, in der für das jeweilige Wertpapier meist die meisten Marktteilnehmer:innen aktiv sind | Außerhalb der Haupthandelszeit |
| Marktphase | Ruhige Phasen mit geringen Kursausschlägen | Phasen hoher Volatilität, etwa bei überraschenden Nachrichten oder starken Kursausschlägen |
Dahinter steckt eine einfache Überlegung: Wer in einem Markt Kauf- und Verkaufskurse stellt, geht ein Risiko ein – der Kurs kann sich ändern, bevor er sein Geschäft wieder ausgleichen kann. Ist viel Handel und wenig Bewegung im Markt, ist dieses Risiko klein, und die Spanne kann schmal bleiben. Ist der Markt dünn oder hektisch, kalkulieren die Beteiligten vorsichtiger. Bei ETFs gilt zusätzlich als Faustregel: Sind die Börsen, an denen die enthaltenen Werte gehandelt werden, gerade geschlossen, fehlen für einen Teil des Inhalts aktuelle Kurse – der Spread des ETFs kann dann breiter ausfallen. Die Handelszeiten legt jeder Handelsplatz selbst fest und veröffentlicht sie; sie ändern sich gelegentlich und werden hier deshalb nicht genannt.
Wie du diese Faustregel nutzen kannst, ohne dass daraus eine Empfehlung für eine bestimmte Order wird: Du kannst vor dem Absenden Geld- und Briefkurs in der Ordermaske ansehen und mit einer Limit-Order selbst eine Preisgrenze setzen – mit der Folge, dass die Order nicht ausgeführt wird, solange der Kurs diese Grenze nicht erreicht, oder nur teilweise, wenn zu diesem Preis nicht genügend Gegenvolumen vorhanden ist (siehe Orderarten: Market, Limit & Co.). Die Kehrseite des Wartens: Wer auf einen vermeintlich günstigeren Zeitpunkt wartet, riskiert, dass sich der Kurs in der Zwischenzeit stärker verändert, als der Spread ausmacht – der Spread ist nur ein Teil des Kostenbilds, und den „richtigen“ Moment verlässlich zu treffen, ist selbst für Fachleute schwierig (mehr dazu im Artikel Markt-Timing vs. Zeit im Markt).
Was ist ein guter Spread?
Ein Spread ist vor allem dann „gut“, wenn er im Verhältnis zum Kurs klein ist und nicht breiter als sonst beim selben Wertpapier.
Einen festen Wert, ab dem ein Spread „gut“ oder „schlecht“ ist, gibt es nicht – und dieser Artikel nennt bewusst keinen Richtwert, denn er hängt vom Wertpapier und vom Zeitpunkt ab. Hilfreich sind zwei Blickwinkel: Betrachte den Spread erstens im Verhältnis zum Kurs (Spread geteilt durch Kurs) und vergleiche ihn zweitens mit dem Spread desselben Wertpapiers zu anderen Zeiten oder an anderen Handelsplätzen. Derselbe Betrag in Euro kann bei einem teuren Wertpapier verschwindend klein und bei einem billigen sehr groß sein.
Beispiel (hypothetisch)
Zwei Wertpapiere haben jeweils einen Spread von 0,10 €. Das erste notiert bei 200 €: Der Spread beträgt 0,10 € ÷ 200 € = 0,05 % des Kurses. Das zweite notiert bei 2,00 €: Hier sind es 0,10 € ÷ 2,00 € = 5 % des Kurses. Der absolute Betrag ist identisch, die Kostenwirkung ist es nicht.
Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.
Auftragsgegenwert: Worauf sich die Kosten beziehen
Der Auftragsgegenwert ist der Wert deiner Order: der Kurs mal die Stückzahl. Kaufst du 20 Anteile zu einem Kurs von 50 €, beträgt der Auftragsgegenwert 1.000 € (frei gewählte Beispielwerte; sie bilden keine tatsächlichen Kurse oder Konditionen ab, sind keine Prognose und keine Anlageempfehlung). In Preisverzeichnissen und Abrechnungen taucht diese Größe unter wechselnden Namen auf – etwa als Kurswert, Ordervolumen oder Ordersumme. Ob dabei Nebenkosten schon eingerechnet sind, handhaben Anbieter unterschiedlich; im Zweifel klärt das Preisverzeichnis.
Der Auftragsgegenwert ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens ist er bei prozentualen Orderentgelten in der Regel die Rechengrundlage. Zweitens lässt sich damit jede Kostenposition als Kostenanteil ausdrücken: Kosten in Euro geteilt durch den Auftragsgegenwert, mal 100. So werden unterschiedliche Orders und Gebührenmodelle vergleichbar.
| Auftragsgegenwert | Modell „Festbetrag“: 5,00 € je Order | Modell „Prozent“: 0,25 % vom Auftragsgegenwert, mindestens 2,50 € |
|---|---|---|
| 100 € | 5,00 € = 5,0 % Kostenanteil | 2,50 € (Mindestbetrag) = 2,5 % Kostenanteil |
| 1.000 € | 5,00 € = 0,5 % Kostenanteil | 2,50 € = 0,25 % Kostenanteil |
| 5.000 € | 5,00 € = 0,1 % Kostenanteil | 12,50 € = 0,25 % Kostenanteil |
Beispiel (hypothetisch)
Die Tabelle zeigt, wie unterschiedlich sich dieselben Orderkosten je nach Auftragsgegenwert auswirken: Ein fester Betrag belastet kleine Orders prozentual stark und große Orders kaum, ein prozentuales Entgelt bleibt – oberhalb eines Mindestbetrags und unterhalb eines etwaigen Höchstbetrags – im Anteil gleich. Zum Vergleich: Der Spread aus dem ersten Spread-Beispiel weiter oben (Geldkurs 49,95 €, Briefkurs 50,05 €, rund 0,2 % des Kurses) würde bei einem Kauf mit sofortigem Wiederverkauf bei 100 € rund 0,20 € und bei 5.000 € rund 10 € betragen. Sein Anteil bleibt in diesem Beispiel gleich, während der Anteil eines festen Betrags mit der Ordersumme sinkt. Beide Gebührenmodelle sind frei erfunden und nicht mit den Modellen „A“ und „B“ des Rechners weiter unten identisch.
Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.
Das Rechenbeispiel zeigt nur die Mechanik, keine Handlungsanweisung: Wie solche Kosten bei kleinen Einstiegsbeträgen ins Gewicht fallen und was das für die Frage nach dem passenden Betrag bedeutet, ordnet der Artikel Wie viel Geld brauche ich für den Einstieg? ein. Einmalige Orderkosten und laufende Kosten wirken unterschiedlich – wie sich laufende Kostenquoten über Jahre auswirken, zeigt der Abschnitt „Warum kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte groß werden“ weiter unten; mit eigenen Sparraten und Annahmen kannst du im Sparplanrechner experimentieren.
Sparplan-Ausführungsgebühren
Führst du einen Sparplan – den automatischen, regelmäßigen Kauf eines Wertpapiers mit fester Rate –, setzen Broker dafür häufig ein eigenes Gebührenmodell an, das von den Kosten einer einzelnen, selbst ausgelösten Order abweichen kann, nach oben wie nach unten. Wie das im Einzelfall aussieht, ist wieder eine Frage des jeweiligen Angebots und ändert sich im Zeitverlauf; verlässlich sind nur die aktuellen Konditionen des Anbieters, bei dem du sparen möchtest – dieselbe Vorsicht gilt bereits für Sparplan-Mindestraten, wie der Artikel Wie viel Geld brauche ich für den Einstieg? einordnet. Wie du einen Sparplan konkret einrichtest, erklärt der Artikel Sparplan: automatisch investieren.
Laufende Kosten: TER und die Abgrenzung zur Depotgebühr
Neben den Kosten rund um die einzelne Order gibt es laufende Kosten, die unabhängig davon anfallen, ob du gerade handelst. Bei Fonds und ETFs ist das vor allem die TER (Total Expense Ratio, zu Deutsch Gesamtkostenquote): die jährlichen laufenden Kosten des Produkts selbst, ausgedrückt in Prozent des angelegten Vermögens. Wie der Artikel Einzelaktien oder ETFs für Anfänger? bereits einordnet, verursacht ein breit gestreuter ETF auf diese Weise eine laufende, meist niedrige Kostenquote (TER) – sie wird direkt im Fondsvermögen verrechnet und taucht deshalb nicht als gesonderte Abbuchung auf deinem Konto auf.
Getrennt davon zu betrachten ist die Depotführungsgebühr: ein Entgelt, das nicht das Produkt, sondern dein Depot selbst betrifft – erhoben von deinem Broker, unabhängig davon, welche Wertpapiere darin liegen. Ob und in welcher Höhe eine Depotführungsgebühr anfällt, ist ebenfalls eine Frage des einzelnen Angebots; ein Kriterienraster für den Vergleich bietet ebenfalls der Artikel Broker auswählen: die Kriterien. Wie du die TER als eines von mehreren Auswahlkriterien für einen konkreten ETF einordnest, zeigt der Artikel ETF auswählen: die Kriterien.
Wechselkurskosten bei Werten aus dem Ausland
Kaufst du ein Wertpapier, das in einer anderen Währung als Euro notiert – etwa in US-Dollar –, kann eine Währungsumrechnung anfallen, die selbst wieder eine eigene Kostenkomponente enthalten kann, zum Beispiel einen Aufschlag auf den reinen Wechselkurs. Das ist eine reine Kostenfrage und von dem an anderer Stelle behandelten Währungsrisiko zu unterscheiden – dem Risiko, dass sich der Wechselkurs unabhängig vom Wertpapier selbst zu deinen Ungunsten verändert (mehr dazu im Artikel Risiken von Aktien und ETFs).
„Kostenlos“ kritisch einordnen
Manche Broker werben mit „kostenloser“ oder besonders günstiger Ausführung. Das kann seriöse Gründe haben, etwa ein bewusst schlankes Geschäftsmodell – verdient aber immer einen zweiten Blick: Wenn eine Order nirgends etwas kosten soll, muss ein Anbieter auf andere Weise Erträge erzielen. Eine in der Vergangenheit verbreitete Methode dafür war Payment for Order Flow (PFOF): Der Broker erhielt dabei Zahlungen von einem Handelsplatz oder Market Maker dafür, dass er Kundenorders gerade dorthin weiterleitete – ein Interessenkonflikt, weil dieser Handelsplatz nicht zwingend der für dich günstigste sein musste.
Diese Praxis ist inzwischen untersagt: Ein EU-weites PFOF-Verbot ist am 28. März 2024 in Kraft getreten (Artikel 39a der Verordnung (EU) Nr. 600/2014, MiFIR). Deutschland nutzte dafür zunächst eine Ausnahme, die Artikel 39a den Mitgliedstaaten ausdrücklich einräumte: Für Wertpapierdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Deutschland galt das Verbot im Geschäft mit Kunden in Deutschland zunächst nicht – befristet bis zum 30. Juni 2026 (§ 138a Wertpapierhandelsgesetz). Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot damit auch dort uneingeschränkt (Stand: Juli 2026, Quellen: BMF, gesetze-im-internet.de, BaFin – siehe Quellenliste).
Auch ohne PFOF bleibt der Grundgedanke richtig: „Kostenlos“ bedeutet fast nie, dass tatsächlich keine Kosten entstehen – meist liegen sie dann an einer anderen, weniger auffälligen Stelle, zum Beispiel in einem etwas breiteren Spread. Ein vollständiger Kostenvergleich lohnt sich deshalb immer über alle hier genannten Kostenarten hinweg, nicht nur über die beworbene Ordergebühr.
Warum kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte groß werden
Der Zinseszinseffekt wirkt nicht nur bei Erträgen, sondern genauso bei Kosten – nur in die entgegengesetzte Richtung: Eine kleine jährliche Kostenquote wirkt sich über wenige Jahre kaum spürbar aus, kann sich über Jahrzehnte aber stark aufsummieren.
| Angenommene jährliche Kosten | Näherungsweise Nettowertentwicklung | Hypothetischer Depotwert nach 30 Jahren |
|---|---|---|
| 0,2 % pro Jahr | rund 5,8 % pro Jahr | rund 54.000 € |
| 1,5 % pro Jahr | rund 4,5 % pro Jahr | rund 37.500 € |
Beispiel (hypothetisch)
Die Tabelle vergleicht rein hypothetisch zwei gleich hohe Startkapitale mit identischer angenommener Bruttowertentwicklung – der einzige Unterschied ist die angenommene jährliche Kostenquote, hier vereinfacht direkt von der Wertentwicklung abgezogen. Allein dieser Unterschied von 1,3 Prozentpunkten pro Jahr führt in diesem Rechenbeispiel zu einer Differenz von rund 16.500 € nach 30 Jahren.
Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.
Wie stark sich das auswirkt, kannst du im folgenden Beispiel mit einem frei gewählten Kostensatz selbst durchspielen. Es ist bewusst anders aufgebaut als die Tabelle oben: ein hypothetischer Sparplan über 100 € im Monat und 20 Jahre statt einer Einmalanlage, bei einer angenommenen Wertentwicklung von 5 % pro Jahr vor Kosten – wieder frei gewählte Annahmen, keine Prognose. Als reiner Vergleichsmaßstab dient derselbe Sparplan ganz ohne laufende Kosten; er käme nach 20 Jahren auf rund 41.103 €. Eine Geldanlage völlig ohne Kosten gibt es in der Praxis nicht – dieser Wert ist ausschließlich die Rechengrundlage, an der die Kostenstufen gemessen werden. Verschiebe den Regler, um zu sehen, wie eine laufende Kostenquote – zum Beispiel die TER eines ETFs – dieses Ergebnis verändert. Die Kosten werden dabei vereinfachend als jährlicher Abzug von der angenommenen Wertentwicklung gerechnet, genau wie in der Tabelle oben und in den Rechnern dieser Website.
Kosteneffekt-Beispiel zum Ausprobieren
Frei wählbar von 0,1 % bis 2,0 % pro Jahr, in Schritten von 0,1 Prozentpunkten. Die Spanne ist bewusst weit gewählt; sie sagt nichts darüber aus, welche Kostenquoten bei einzelnen Produkten üblich sind.
Ergebnis bei 0,5 % Kosten pro Jahr (Startwert): Endwert 38.812 €, das sind 2.291 € weniger als beim Vergleichswert ohne Kosten – oder 5,57 % des Endwerts ohne Kosten. Bewege den Regler für ein anderes Ergebnis.
- Endwert mit Kosten
- 38.812 €
- Differenz zum Vergleichswert ohne Kosten
- 2.291 €
- Kostenwirkung insgesamt (Anteil am Endwert ohne Kosten)
- 5,57 %
Modellrechnung, keine Prognose
Dies ist eine Modellrechnung mit vereinfachten Annahmen. Die angenommene Wertentwicklung ist frei gewählt und keine Prognose. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen — Verluste sind möglich. Steuern, Inflation und Kosten sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt. Diese Berechnung ist keine Anlageberatung und keine Kaufaufforderung.
Alle Kostenarten im Überblick
| Kostenart | Wann sie anfällt | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Ordergebühr/Orderentgelt/Provision | Bei jedem Kauf/Verkauf | Entgelt des Brokers für die Orderausführung – in der Regel je Order, nicht je Stück |
| Handelsplatzentgelt | Bei jedem Kauf/Verkauf | Entgelt des jeweiligen Handelsplatzes |
| Spread | Bei jedem Kauf/Verkauf | Differenz zwischen Geld- und Briefkurs |
| Sparplan-Ausführungsgebühr | Bei jeder Sparplanrate | Eigenes Gebührenmodell für automatische Käufe |
| TER/laufende Produktkosten | Laufend, im Fondsvermögen verrechnet | Jährliche Kostenquote des Fonds/ETFs selbst |
| Depotführungsgebühr | Laufend, unabhängig vom Handeln | Entgelt für die Führung des Depots selbst |
| Wechselkurskosten | Bei Werten in Fremdwährung | Kosten der Währungsumrechnung |
Zwei Gebührenmodelle selbst vergleichen
Wie stark sich zwei Gebührenmodelle im Alltag unterscheiden können, lässt sich am besten mit eigenen Zahlen prüfen. Der folgende Rechner vergleicht zwei von dir selbst eingegebene, rein hypothetische Gebührenmodelle anhand einer Grundgebühr je Order, eines Anteils vom Ordervolumen in Prozent und optional einer Mindest- oder Höchstgebühr. Die Bezeichnungen „Modell A“ und „Modell B“ sind dieselben wie im Rechenbeispiel des Artikels Broker auswählen: die Kriterien; die dort genannten Zahlen sind ein anderes, ebenfalls frei erfundenes Beispiel. Es sind keine echten Anbieterkonditionen hinterlegt – auch nicht in den Feldern, die beim Laden bereits ausgefüllt sind: Diese Startwerte sind frei gewählte Beispielzahlen. Trage die Werte ein, die du selbst vergleichen möchtest, zum Beispiel aus der aktuellen Preisliste eines Brokers.
Ergebnis
Ergebnis erscheint hier, sobald du auf „Berechnen“ klickst.
- Modell A – Gebühr je Order
- –
- Modell A – Gebühr pro Jahr
- –
- Modell B – Gebühr je Order
- –
- Modell B – Gebühr pro Jahr
- –
- Unterschied pro Jahr
- –
Modellrechnung, keine Prognose
Dies ist eine Modellrechnung mit den Werten, die du selbst eingibst. Sie ist keine Prognose realer Kosten bei einem bestimmten Anbieter: Die beiden Gebührenmodelle sind frei wählbar und bilden keine tatsächlichen, aktuellen Konditionen ab; tatsächliche Kosten können erheblich abweichen, alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Kostenarten wie das Handelsplatzentgelt, der Spread oder laufende Produktkosten (TER) sind hier nicht berücksichtigt. Diese Berechnung ist keine Anlageberatung, keine Kostenberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter.
Kosten im Blick behalten: Chancen und Risiken
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Wer alle Kostenarten kennt, kann Angebote realistisch vergleichen und spart über die Jahre spürbar Geld | Reine Kostenfixierung kann zu ungünstigen Entscheidungen führen – etwa ein Angebot nur wegen der niedrigsten Ordergebühr zu wählen, ohne Regulierung oder Angebotsbreite zu prüfen |
| Kosten lassen sich, anders als die Marktentwicklung, zumindest teilweise selbst beeinflussen | Sehr kleine Kostenunterschiede bei sehr kleinen Beträgen wirken sich absolut kaum aus – übertriebene Kostenoptimierung kann unverhältnismäßig viel Zeit kosten |
| Wer den Kostenanteil einer Order kennt und den Spread im Blick hat, kann Gebührenmodelle und Ordersummen realistisch einordnen | Ein niedriger Kostenanteil sagt nichts über die Qualität eines Wertpapiers aus – und wer nur wegen eines schmaleren Spreads auf den „richtigen“ Zeitpunkt wartet, riskiert, dass die Kursbewegung selbst mehr ausmacht als die gesparten Kosten |
Merksatz
Kosten fallen einmalig (Ordergebühr je Order, Handelsplatzentgelt, Spread) und laufend (TER, ggf. Depotgebühr) an – manche sichtbar, manche versteckt im Kurs. Der Spread ist als Faustregel typischerweise bei viel gehandelten Wertpapieren, zur Haupthandelszeit und in ruhigen Marktphasen schmaler. Die Marktentwicklung kannst du nicht kontrollieren, die Kosten deiner eigenen Entscheidungen aber zumindest teilweise schon.
Was du jetzt tun kannst
Wie du einen Broker anhand neutraler Kriterien – auch bei den Kosten – selbst beurteilst, zeigt der Artikel Broker auswählen: die Kriterien. Wie sich unterschiedliche Handelsplätze auf Spread und Entgelte auswirken, vertieft Handelsplätze verstehen und wählen; welche Orderart zu welcher Situation passt, erklärt Orderarten: Market, Limit & Co.. Wie all das im konkreten Kaufablauf zusammenkommt, zeigt Kaufen Schritt für Schritt.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 138a Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) – Übergangsregelung zur Verordnung (EU) Nr. 600/2014 – Abgerufen: Oktober 2026.
- Bundesministerium der Finanzen: MiFiR-Review: Bundesrepublik Deutschland macht von vorgesehenem Mitgliedstaatenwahlrecht Gebrauch und ermöglicht Weiterführung der Payment for Order Flow-Praxis im Inland bis Mitte 2026 (21.03.2024) – Abgerufen: Juli 2026.
- BaFin: PFOF: BaFin erklärt „Dos and Don'ts“ für Neobroker (22.07.2026) – Abgerufen: Juli 2026.
Auch Teil des Pfads: ETF-Sparplan startklar
Risiko
Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.
Keine Anlageberatung
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.
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Über die Autorin/den Autor
Matthias Lamprecht
Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.